Eine interessante Frau..

Am 06. Juni 2017 bekam ich die Möglichkeit die US Amerikanische Sängerin Megn zu treffen. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Bei der Zürcher Drag Queen Jazzmin Dian Moore im Salon konnte ich 45 Minuten in ein Gespräch eintauchen, welches ich euch nicht vorenthalten möchte. An dieser Stelle: Vielen Dank, liebe Jazz. 

Übrigens: Auch über sie und mein neues Hobby Radio zu machen bei gayRADIO Zürich werde ich bald mehr berichten. 

06. Juni 2017

Eine hübsche, junge Frau begrüsst mich freundlich bei Jazz im Salon. Sie trägt ein tolles Kleid und tolle Schuhe. Und was mir als Erstes auffällt: Ihre pinken Haare. Ja, sie ist mir wirklich sympathisch. 

Megn ist Sängerin. In Boston geboren und aufgewachsen. Sie strahlt mich an und ist offenbar gespannt darauf, was ich alles wissen möchte. Sie möchte stehen während unserem Gespräch. Sie fühle sich freier, wenn sie nicht sitzen muss bei einem Interview. Ich erkläre ihr, dass ich mit ihr einfach ein Gespräch führen möchte. Ein Gespräch übers Frau sein und das Leben. 

 

Meine Frage nach ihrem Alter beantwortet sie schon mal ganz unerwartet. Nämlich gar nicht. Sie mag diese Frage nicht, denn es sei bei einem Mann ja auch absolut nicht wichtig, wie alt er sei. Es interessiere nie jemanden und nach dem Alter eines Mannes frage nie einer. Aber bei Frauen sei es immer eine so wichtige Information und alle interessiere es. Und deswegen beantworte sie diese Frage nicht. Was ich jedoch erfahre: Ihr Geburtstag ist der 8. Februar. 

 

Sie erzählt mir, dass sie mit ca 19 Jahren angefangen habe, ihr Leben zu überdenken was die gesellschaftlichen Normen angeht. Sie fühle sich gut damit, einfach auch mal nicht mit dem Strom zu schwimmen. 

 

Wir rutschen ins Thema Frau sein. Und da beginnt unsere Reise in Megn's Denkweise, welche mir sehr zusagt. Sie mag es, eine Frau zu sein. Auch wenn sie keine Wahl hatte. Doch müsse sie auch klar sagen, dass es nicht auf der ganzen Welt dasselbe Leben als Frau sei und das sei wichtig, sich dem bewusst zu sein. Früher sei das Leben als Frau nicht so gewesen wie heute. Da mussten die Frauen kämpfen. Um Rechte und um einen Platz im sozialen Leben. 

 

Früher sei es für eine Frau beinahe ein Muss gewesen, einen Mann zu finden, um die finanzielle Sicherheit zu haben. Die Aufgaben einer Frauen seien aufs Mutter, Ehefrau und Hausfrau sein beschränkt gewesen. Der Mann hätte das Sagen gehabt und die Frauen seien oft einfach die Dekoration an der Seite des Mannes gewesen. Heutzutage hätten wir Frauen zumindest in einigen Teilen der Welt mehr Möglichkeiten und vor allem eine Stimme, etwas zu verändern.

Wir Frauen seien auch ohne einen Mann dazu im Stande, ein Leben zu führen. Wir seien nicht mehr darauf angewiesen, dass uns jemand die finanzielle und soziale Sicherheit gibt. Wir hätten dies selbst in der Hand. Megn betont, dass dies natürlich nicht für alle Kulturkreise gelte. Ich stimme ihr da voll und ganz zu. 

 

Ich frage Megn nach den Dingen, welche sie nicht mag als Frau. Sie überlegt nicht lange und sagt, dass sie die Behandlung als zweite Klasse nicht mag. Es sei zwar für sie für sie nicht das Thema, aber es gebe Orte auf der Welt, wie zum Beispiel Teile Afrikas, wo es für Frauen immer noch eine Bestrafung sei, eine Frau zu sein. Megn wird emotional bei diesem Thema. Und ich auch empfinde Mitgefühl für diese Menschen, welche unser Geschlecht haben, aber aufgrund dessen schlechter behandelt werden.

 

Megn und ich unterhalten uns noch einige Minuten darüber und ich stelle fest, dass auch sie als kleines Mädchen einen wundervollen Vater hatte. Ein Vater, welcher sie stets geliebt und unterstützt hat. 

 

 

05. Juli 2017

Wir unterhielten uns irgendwann über sehr persönliche Gedanken und Einstellungen zum Leben, weswegen ich nun über gehe zum Jetzt.

Das Gespräch mit Megn regte mich sehr zum Nachdenken an. Ich beschloss, diese Unterhaltung nicht in den nächsten Tagen zu einem Blogpost zu verarbeiten, sondern es mit auf den da noch bevorstehenden Camino mitzunehmen. Was bedeutet es für mich, eine Frau zu sein? Was mag ich am Frau sein? Und was mag ich nicht daran? All diese Fragen habe ich mir gestellt und ich bin zu folgendem Schluss gekommen:

 

Ich mag es, eine Frau zu sein. Ich bin glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, mich zu verwirklichen. Ich werde in der Schweiz nicht daran gehindert, meinen Träumen nach zu gehen. Meine Eltern haben mich nie daran gehindert, meinen Weg zu gehen.

Doch frage ich mich: wie wäre es wohl, wenn ich einfach nicht mein Leben hätte? Ich an einem Ort leben würde, in dem es Frauen nicht erlaubt ist, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln, sich seine Zukunft selbst aussuchen zu können? 

Das kann ich mir gar nicht vorstellen und muss ich auch nicht. Doch was ich meiner Meinung nach muss und auch mache ist, mir wie Megn sagte, bewusst sein, dass es nicht selbstverständlich ist, diese absolute Freiheit zu haben, das Leben zu leben wie ich es tue. 

 

Danke Megn, dass ich dich kennenlerne durfte. Danke, dass du mit mir deine Gedanken geteilt hast und dass du mich zum Nach- und auch etwas Umdenken bewegt hast. 

 

An euch da draussen: 

Es tut gut, sich einmal bewusst zu machen, was wir hier in der Schweiz für ein Glück haben, dass wir unsere Zukunft selbst gestalten können, wir tun und lassen können, was wir mögen und dass wir Frauen nicht generell schlechter behandelt werden. Natürlich sind wir teilweise lohntechnisch im Nachteil und auch in verschiedenen Bereichen der Berufswelt haben wir weniger Möglichkeiten. Doch wir haben hier in der Schweiz wirklich unglaubliches Glück, dass wir als Frauen respektiert werden. 

 

 

Eure Simii

 

(NACHTRAG: Mir ist bewusst, dass es häusliche Gewalt gibt und auch in der Schweiz nicht alles super toll sein kann als Frau. Aber ich wollte darauf aufmerksam machen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass es uns Frauen so gut geht.)

 

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