Geplant waren heute 27km, gemacht haben wir 20.7km. Geplante Ankunft in Santiago de Compostela war am 12. September 2017, ankommen werden wir am 13. September 2017. Wieso? Lest selbst.

Letzte Nacht schlief ich zwar ganz gut, doch mich beschäftigte der ganze Stress auf den Tagesetappen der Betten wegen. Und so überlegte ich, wie wir gemütlicher und vor allem entspannter nach Santiago de Compostela pilgern können. Meine Lösung war ganz simpel: Etappen kürzen, einen Tag länger pilgern und statt drei Nächten in Fisterra, buchten wir um auf zwei.

Somit können wir ab jetzt wirklich und zu 100% geniessen ohne Angst um volle Herbergen zu haben und deswegen beinahe als Hochleistungssprinter über den Camino zu fliegen. Die längste Etappe ist nun 23km und wenn wir um 07:00 los laufen, kommen wir immer noch früh genug ans Tagesziel.

Nun zur heutigen Strecke. Nachdem ich Laura von meinen Überlegungen und meiner Lösung erzählt hatte und sie sich das überlegen wollte, verliefen wir uns in der Festung von Valença. Zusammen mit Anika, Anja und Sven irrten wir um 05:45 in den Mauern der Festung umher. Wir hatten die Pfeile übersehen und fanden im Dunkeln nicht mehr aus der Misere raus. Zurück zum "Start" konzentrierten wir uns intensiv und fanden dann endlich wieder einen gelben Pfeil. Mit Jubel bogen wir wieder in den Caminho ein, welcher in wenigen hundert Metern dann Camino hiess.

Denn wir gingen endlich über die spanische Grenze. Laura und ich wollten diesen Moment gemeinsam erleben und assen auf spanischem Boden um 06:15 das letzte Nata. Bis zur grossen Kirche in Tui pilgerten wir noch zusammen, dann trennten wir uns wieder. Ich setzte mich in ein Cafe um die Etappen anzupassen. Schnell waren die Etappen gekürzt und auch Laura schrieb mir dann, dass sie bei meinem Plan dabei sein würde. So war dann auch klar, dass unsere Etappe in O Porriño enden würde.

Entspannt pilgerte ich weiter. Mein zweiter Zeh am linken Fuss schmerzte schon vor zwei Tagen, doch ich schiebte die Schwellung aufs Laufen. Ich konnte jedoch bald nicht mehr drauf treten und hielt an, guckte mir den Zeh an, sah, dass er inzwischen blau wurde und nachdem mir unverblümt aus ärztlicher Sicht gesagt wurde, dass dieser Zeh wohl gebrochen sei, war ich umso glücklicher, heute nur 20.7km machen zu "müssen".
Ich tapte den Zeh und wanderte weiter.

Durch traumhafte Wälder und vorbei an Bächen und kleinen Dörfern erreichte ich dann irgendwann kurz vor dem Ziel ein kleines Cafe aus welchem ich Anika, Anja und Sven heraus winken sah. Bald darauf traf auch Heike ein. Eine weitere Deutsche, welche auch zu unserem "Grüppchen" gehört. Gemeinsam tranken wir eine Cola und wenig später brachen wir für die letzten 9km auf. Vor O Porriño trafen wir auf Laura, welche offenbar den Weg suchte.

Mit ihr lief ich dann in O Porriño ein und wir waren beide froh über die Etappenkürzung und die dadurch gewonnene Entspanntheit. Bei der öffentlichen Herberge liefen Anja und Sven direkt weiter und Anika, Laura und ich setzten uns zu anderen Pilger vor die Herberge, welche um 15:00 öffnete. Es war 13:10...

Um 15:00 traten Laura und ich in die Herberge ein und ergatterten ein gutes Stockbett mit Steckdose. Da wir einen USB-Doppelstecker haben, ist es für uns immer easy, wenn wir auch einfach eine Steckdose haben. Die benutzen wir dann beide.

Da es am morgigen Etappenziel keine öffentliche Herberge geben wird, reservierten wir unsere Herberge (private Herbergen sind zwar etwas teurer als die öffentlichen, aber man kann reservieren) für den morgigen Abend und gingen einkaufen, essen und Eyeshoppen.

Nun liegen wir in unseren Betten und sind müüüde. Ich freue mich auf die morgige Etappe. Es sollen einige Steigungen dabei sein und eine schöne Landschaft. Und vor allem: wir können es sooo entspannt angehen. Ein Bett ist reserviert und es sind nur 21.8km. Eaaaasy.