Lospilgern im Dunkeln bei nasser Witterung, in Rekordzeit durch die Stadt Calas de rei und dann die erste in der Pilgerherberge. Einiges ist wieder passiert heute.

Laura musste mich heute wecken. Denn ich schlief wie ein Stein. Das Bett war bequem und ich fühlte absolut noch keinen Drang nach Pilgern. Ich stand trotzdem auf und machte mich für den Tag bereit. Um ca 07:15 lief ich dann mit einer viertel Stunde versetzt zu Laura los.

Es war noch stockdunkel und vor allem hatte der Regen erst gerade aufgehört. Ich mit meiner panischen Angst vor Fröschen zitterte am ganzen Körper und wanderte steif vor Furcht durch den finsteren Nebel.

Nach 4km wurde es endlich heller und ich wurde entspannter. Nach weiteren 3km frühstückte ich in einem Cafe, welches sogar von einem Schweizer aus Biel betrieben wird. Es war ein freudiges Hallo und ich ass meine 2 Toasts unf trank einen Tee mit bester Unterhaltung.

Danach war die Etappe nur noch 11km lang. Ich ging sie jedoch sehr schnellen Schrittes an, denn ich spürte das Ziehen nach Santiago. Bei jedem Camino hatte ich das zum Schluss. Dieses Ziehen. Ich war dann auch sehr schnell in Calas de rei wo reges Treiben war. Entlang des Jakobsweges war ein Markt. Es hatte soooo viele Menschen. Ich war total überfordert. Nach tagelanger Ruhe und Besinnung war das einfach zu viel für mich. Ich eilte durch diesen Markt um möglichst schnell aus der Stadt zu kommen. Nach meiner "Flucht" stand ich vollgeschwitzt an einem Wegstein und zog meine Hosenbeinverlängerungen aus. Mental erschöpft von diesen verschiedenen Reizen pilgerte ich dann die letzten Kilometer bis nach O Piño durch. Ich genoss das Gefühl der Zeitlosigkeit und kam glücklich bei der öffentlichen Herberge an.

Ich war zu meinem Erstaunen die erste Pilgerin. Ich hatte niemanden überholt, den ich schon "kannte". Bloss ein paar Kurzpilger (100km-Pilger).
Die Herberge war somit noch leer. Die Betten wurden durch die Hospitalera zugeteilt und ich hatte mit Bett Nr 1 Glück. Es ist in der Ecke nahe einer Steckdose.

Kurze Zeit später trafen Laura und die vier deutschen Girls ein. Auch Anika war bald da. Ich erfuhr, dass sie alle jeweils eine längere Essenspause eingelegt hatten und ich sie wohl deswegen überholt hatte. Ich hatte in Calas de rei weder nach links noch nach rechts geschaut. Ich habe also auch niemanden gesehen.

Wir duschten, wuschen unsere Kleider, gingen in die 150m entfernte Bar etwas essen und trinken und kauften uns noch Wasservorrat für den morgigen Tag. Zurück in der Herberge war Chillen angesagt. Rumliegen, mal wieder YouTube gucken und einfach sein. Es war herrlich.

Später sassen einige Pilger zusammen. Auch wir drei genossen den Abend im Aufenthaltsraum. Zwei kurze Livestreams im FB und auf Instagram und nun sitze ich am Blogpost.

Ich freue mich zwar auf die morgige Etappe. Sie bedeutet aber gleichzeitig, dass es bald zu Ende ist. Am Mittwoch sind wir in Santiago. Und dann ab Cee noch bis nach Fisterra und die 2km im Meer. Ja, IM Meer. Am Strand entlang, barfuss pilgern. Ein Traum.