Was für ein Tag. Leute.. ich als Pilgerneuling (Ironie) habe es tatsächlich geschafft, dass ich mich verlaufen habe. Und das auf der längsten Etappe von unserem Caminho. Statt 30 habe ich schlussendlich 35km gemacht. Doch die Belohnung war ein Paradies! Die Herberge ist eine kleine Wohlfühloase mitten im Grün. 


Die meisten Pilger, welche wir in den letzten Tagen kennengelernt haben pilgerten nur bis Viana do Castelo und einen Tag später dann 28.6km. Laura und ich wollten dies eigentlich auch so machen, haben uns gestern Abend jedoch spontan dazu entschieden, heute 30.6km hinzuknallen und morgen dann gemütliche 18km. 


Die heutige Etappe haben Laura um 06:00 und ich um 06:30 in Angriff genommen. Die Nacht war besonders für Laura der Horror. Der argentinische Schnarchmeister war wieder in unserem Zimmer und so war es die zweite Nacht infolge, welche für Laura schlaflos war. Ich konnte tip top schlafen. Hatte zwar die ganze Nacht ein Hörbuch in den Ohren, aber es ging.


Dafür war die heutige Etappe meeeega toll. Es war eine traumhafte Strecke von 30km durch Märchenwälder und kleine Dörfer. Ich genoss die Ruhe und das Caminofeeling. Heute war es so richtig da. Ich habe meinen Gedanken sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und auch sehr viel Kraft aus dem Weg geschöpft. Es hat so richtig gut getan.


In Viana do Castelo angekommen, traf ich auf die ganzen bekannten Pilger aus den Vortagen. Auch der Schnarcher war dabei. Ich war beruhigt, denn so würde Laura wohl eine bessere Nacht erleben heute. 

Nach den gepackten 20km und meinem Mittagessen machte ich mich dann wieder auf den Weg Richtung Paço. Es waren bloss noch 10km zu bewältigen. Ich lief einfach mal da lang, wo kurz vorher zwei Pilgerinnen lang gingen. Grooosser Fehler. Denn ich fand weder Pfeile noch sonst etwas das mit dem Jakobsweg zu tun haben könnte. Ich irrte also in der Stadt rum und auch ein englisch sprechender Portugiese konnte mir nur bedingt weiterhelfen. 


Ich lief einfach mal nach Gefühl dem Meer entlang und fand immer noch keine Pfeile. Also fand ich mich dann irgendwann in einem Restaurant an der grossen Hauptstrasse wieder wo ich mir ein Taxi bestellen liess, welches mich wieder zurück in die Stadt brachte. Während dem ich auf das Taxi wartete, informierte ich Laura, welche inzwischen schon in Paço war. Sie motivierte mich mit tollen Bildern von der Herberge und schwärmte nur. Ich freute mich auf die Ankunft und wanderte nach dem Wiederfinden der Pfeile auf direktem Weg in die Herberge. Trotz des kurzen Abstechers von 5km genoss ich den Weg nach Paço sehr. Links konnte ich immer wieder das Meer sehen.


Und dann kam ich im Paradies an. Es war ein absoluter Traum. Bzw ist es noch immer. Es hat einen Garten mit Schafen und Pferden, Hängematten, einem Minipool, Daunenbettdecken und -kissen sowie einem eigenen Badetuch für die REGENDUSCHE!! Leute, ein Traum. Und auch der Hospitalero ist ein echt toller und hilfsbereiter Mensch. Selber Pilger und Weltenbummler. Er hat für Pilger eine kleine Traumoase geschaffen.


Mit dem Jeep fährt er die Pilger zum Supermercado und wieder zurück. Laura und ich kauften uns Fleisch, Käse, Brot, Flan und natürlich Früchte und Wasser. Zurück in der Herberge assen wir gemütlich unser Essen und unterhielten uns mit den Pilger aus Deutschland, Belgien und Italien. Das mag ich am Pilgern. Menschen aus aller Welt. Einfach toll.


Morgen geht es 18.6km nach Caminha. Das nehmen wir gemütlich. Laura liegt bereits im Bett. Da werde ich jetzt auch hingehen. Ich bin müde nach unserer längsten Etappe auf dem Caminho Portugues.