Mit dem Bus nach Negreira

Sonntag, 18. Juni 2017

Nach einer Nacht im Freien ohne wilde Tiere beschlossen Kathrin und ich mit Christoph zu frühstücken und ihn zu verabschieden. Also nicht zu Fuss, sondern mit dem Bus nach Negreira zu gehen. Denn meine Achillessehne machte mir wirklich zu schaffen über Nacht. 
Gut, dass Kathrin Physiotherapeutin ist
Gut, dass Kathrin Physiotherapeutin ist
Es war eine sehr unruhige Nacht. Da wir nun in Santiago waren und die meisten Pilger am Ende ihrer Reise angekommen waren, feierten sie bis spät in die Nacht und kamen betrunken, laut schreiend indie Herbergen zurück. Auch in unsere. Wir wollten gegen Mitternacht ins Bett und standen in unserem 8 Bett-Zimmer. Es war drückend heiss! Wir schwitzten nach einer kühlen Dusche sofort wieder.Kathrin hatte dann, zwar eher als Witz, die Idee, im Garten zu schlafen. Gesagt, getan. Mit einer weiteren deutschen Pilgerin, Sabine, zügelten wir in den Garten. Wir breiteten Wolldecken auf derWiese aus und unsere Schlafsäcke drüber. Nachdem alle in den Schlafsäcken lagen, überkam uns die Angst vor bereits auf dem Camino gesichteten Schlangen und anderen Tieren. Wir beschlossen, auf denSteinboden und somit unter dem Dach und direkt bei den Steckdosen unser Lager erneut aufzubauen. Kathrin und ich waren entweder hellwach oder einfach total übermüdet, denn wir fingen an,rumzublödeln. Wir konnten uns vor Lachen kaum mehr halten, so dass sogar Christoph sein Hörbuch pausierte und fragte, was eigentlich los sei. Auch Sabine verstand die Welt nicht mehr. Als dann einälterer Pilger auch noch sein Handy aus der Steckdose ziehen kommen wollte und Kathrin einfach sagte: "Oh yeah, come in!" und der Pilger dann auf allen Vieren zwischen uns durch kroch zu denSteckdosen und somit zu seinem Handy, wars vorbei! Wir konnten uns nicht mehr beruhigen. Minutenlang lagen wir lachend da! Auch jetzt, während ich das aufschreibe, lachen Kathrin und ich über dieseSituation! Auch der ältere Pilger konnte sich kaum erholen vor Lachen. Kathrins "Come in"-Einladung war wohl echt die Pointe seiner Pilgerreise!

Nachdem sich alle wieder erholt hatten, schlief ich dann um ca 02:00 ein. Geplant wäre gewesen, dass wir, Kathrin und ich, um 05:30 aufstehen und dann nach Negreira pilgern. Um 03:00 torkelte dann ein Pilger betrunken an uns vorbei in den Garten um sich seines Nachtessens und Alkoholkonsums zu entleeren. Das war wirklich angenehm zu hören. Wenig später trampelte eine weitere Gruppe alkoholisierter Pilger von ca 5 Männern vorbei und gröhlte und johlte. 

Ich beschloss um 04:00, aufs Klo zu gehen und stellte dann fest, dass mir meine linke Achillessehne wirklich zu schaffen machte. Ich konnte mich nur mühevoll Treppenabwärts bewegen. Zurück in unserem Lager, schlich sich Sabine davon. Am Morgen erfuhren wir dann, dass sie von einer Mückeninvasion überrascht wurde und deswegen das überhitzte und stinkende Zimmer vorzog. 

Gegen 05:00 wachte dann Kathrin auf und ich erzählte ihr von meinen Schmerzen und dass ich wohl besser die Etappe pausieren und mit dem Bus nach Negreira fahren werde. Ich schlug dem inzwischen ebenfalls wachen Christoph vor, zusammen zu frühstücken und ich fragte Kathrin, ob sie sich dazugesellen wolle. Schlaftrunken und absolut keine lustlos, jetzt eine Unterhaltung zu führen meinte sie nur: "da muss ich schnell 5 Minuten drüber nachdenken!" Und schon schlief sie wieder. 

Um 07:30 wachten wir dann wieder auf und packten unser Hab und Gut zusammen. Im Zimmer oben traf und fast der Schlag! Was für ein Gestank!  Nach einer Dusche und frischer Kleidung zottelten wir in die Stadt und Kathrin und ich füllten zuerst die Waschmaschine mit unseren Kleidern in einem Salon. Ein reichhaltiges Frühstück mit Speck, Spiegeleiern, Toast, Churros, Kaffee, Cola und Schockimilch galt ganz im Zeichen von Christophs letzen Frühstück mit uns. 

Auch Sabine gesellte sich irgendwann dazu und wir verabschiedeten danach die beiden, denn sie hatten den selben Flug zurück nach Deutschland.

Traurig blieben Kathrin und ich zurück und konnten gar nicht glauben, dass wir nun nicht mehr als Trio sondern als Duo weiterpilgern würden. 

Nachdem wir dann einen Hut für Kathrin organisiert hatten, Rudi (ein deutscher Pilger, den ich vom Pilgerforum her kenne), unnötigen Ballast aus dem Rucksack entfernten und auf der Post in Santiago für die nächsten 5 Tage hinterlegten, begaben wir uns zur Busstation. Natürlich standen wir ohne Cheistoph völlig verkehrt und liessen Bus für Bus an uns vorbeiziehen. Irgendwann erfuhren wir, dass wir ca 20 Meter entfernt zur anderen Bushaltestelle mussten. 

Nach einem Powernap auf dem Boden und weiteren 30 Minuten Wartezeit kam dann endlich unser Bus zum Hauptbusbahnhof. Dort trafen wir erneut auf einen Deutschen, Markus. Ein Neupilger, welcher soeben angekommen war und sich auf seinen ersten Camino freute, wir gaben ihm einige Tipps und Tricks mit auf den Weg und stiegen dann in den Bus Richtung Negreira ein. Nachdem wir sahen, dass es echt ein harter Aufstieg gewesen wäre, waren wir davon überzeugt, wegen meiner Achillessehne richtig entschieden gehabt zu haben. 

Wir hatten bereits am Vortag ein Hotel gebucht, da alle Herbergen voll waren. Direkt vor dem Hotel liess uns der Buschauffeur aussteigen. 

Kurzes Sightseeing, Facetime mit unserem Christoph, welcher inzwischen Zuhause war, Abendessen und Wasserkauf an der Tankstelle. 

Und jetzt ist schon wieder 22:50.. bald ins Bett und morgen um 06:00 Frühstück und ab Richtung Fisterre. Die morgige Etappe führt uns über 21 Kilometer nach Santa Mariña. Wir freuen uns beide auf eine ruhige und erholsame Nacht.

Gute Nacht!!