Ferrol - Pontedeume 29.7 Km

Dienstag, 13. Juni 2017
Um ca 07:30 stand ich heute auf. Ich habe wirklich herrlich geschlafen! Eine Nacht ohne Schlafsack. Super Gefühl. Dass ich auch die heutige Nacht nicht im Schlafsack verbringe würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber lest selbst..

Kurz vor 08:00 pilgerte ich heute endlich los. Ich konnte es gestern schon kaum erwarten. Heute galt es 29.7 km bis nach Pontedeume zurückzulegen. Ob das so eine gute Idee war, kann ich eucherstmorgen sagen. Denn die Folgen spürt man auf dem Camino meist erst am Tag danach. Doch da es ja nun bereits der dritte Camino ist, kenne ich inzwischen meinen Körper und weiss, wie ihn einsetzenaufden verschiedenen Abschnitten. Vor allem was das Tempo angeht. 

So ass ich in alt gewohnter Pilgermanier zuerst Frühstück in einer bereits geöffneten Bar (Bar bedeutet in Spanien nicht Bar im Sinne von Ausgeh-Bar, sondern ist als Cafe oder kleines Restaurant zu betrachten). Auf meinem letzten Camino hatte sich da so eingebürgert, dass wir jeden Morgen (Die Jungs und ich) nach kurzer Gehzeit zusammen frühstückten bevor jeder seines Tempos die Tagesetappe bestritt. 

Ich fand bei einer älteren Spanierin ein Plätzchen und bekam ein ultra süsses Gipfeli (war eher ein Gipfel), einen Fruchtsaft und ein Wasser. Gut gestärkt konnte ich nun die knapp 30km Etappe auf mich nehmen. Ich pilgerte der Bucht entlang und genoss den Duft vom Meer. Die Möven kreischten wie im Film. Ich genoss aber vor allem eines: das Pilgern.. 
Der Weg führte mich kleinen Häfen entlang . Kurze Zeit auch über stark befahrene Hauptstrassen und Brücken über die Autobahn bis nach Neda. Die ersten 14km waren nun geschafft. Und die Angst, ich könnte jetzt schon schlapp machen, da meine Kondition seit Anfang März 2017 (Rückkehr aus Santiago) echt nicht mehr trainiert wurde, war verflogen. Kurz vor der Pilgerherberge beschloss ich, direkt noch 15 km anzuhängen. Ich wusste, entweder ich pilgere nicht mehr weiter, oder dann direkt bis Pontedeume. Denn dazwischen gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit. 

Ich fühlte mich richtig gut, denn Pilgern macht mich glücklich. Ich entschied mich aber dazu, etwas zu essen bevor es weiter ging. Ich fand dank eines Einwohners eine Hamburgeria (heisst wirklich so!), in welcher ich einen Pouletburger mit Ketchup und Mayo ass, eine Cola trank und dank Wifi kurz mit meiner Familie und mir nahe stehenden Menschen Kontakt haben und auch euch auf Social Media erste Eindrücke von der heutigen Etappe schenken konnte. 

Nach der Stärkung pilgerte ich durch Nieselregen weiter. Nun ging es den Berg hoch. Auf dem Höhenprofil sah dieser Anstieg brutal steil aus. Ich machte mich auf einen O Cebreiro ähnlichen Aufstieg gefasst. Doch schlussendlich war es ein "Hügeli". Nachdem ich einem Pferd begegnet war und an ihm dank "falsch gehen" zwei mal vorbei schleichen musste, erreichte ich wahnsinnig gut riechende Eukalyptusbäume. Es war tüppig und ich schwitzte wie in einem Dampfbad. Glücklich genoss ich den Duft und die schöne Landschaft bis ich dann schliesslich plötzlich am Meer stand. Sandstrand mit badenden Menschen. Wow! Ich war überwältigt. Ein unglaublich toller Anblick. Und wenn ihr knapp 30 km zu Fuss zurück gelegt habt und dann am Meer steht, glaubt mir, das ist ein Gefühl!! Ich wusste, dass die offizielle und vor allem einzige Pilgerherberge in Pontedeune nur über 22 Betten verfügt und so machte ich mich auf den Weg zu ihr. Auf halbem Weg traf ich einen Pilger, welcher mich darauf ansprach, dass er mich doch heute Morgen überholt hätte. Wie denn das gehen kann, dass ich jetzt vor ihm bin. Wir fanden heraus, dass er eine längere Mittagspause als ich gemacht haben musste, in welcher ich ihn dann überholen konnte. Wir sprachen Englisch, doch nachdem ich nach seiner Herkunft gefragt hatte und er sagte, er käme aus Deutschland, wechselten wir natürlich zum Deutsch. Den Rest bis zur Herberge pilgerten wir gemeinsam. 

Dort angekommen, dann die grosse Überraschung. Die Herberge war voll und es war wie erwähnt die einzige. Wir suchten und Mithilfe des Pilgerführers von Christoph (so heisst der deutsche Pilger übrigens) nach einer Unterkunftsmöglichkeit. Wir stiessen auf ein ebenfalls gefülltes Hostel und nahmen uns gemeinsam das noch letzte freie Zimmer im Hostel direkt nebenan für total 35€. Drei Betten fanden wir schliesslich im Zimmer und wir waren glücklich über das eigene Bad mit Dusche. 

Nachdem wir dann endlich aus den verschwitzten Kleidern raus konnten, assen wir in einem kleinen Restaurant in der Bucht das Abendessen. Natürlich konnten wir nicht am Meer sein, ohne auch rein zu gehen und so schlenderten wir nach dem Essen zurück zum Strand. 

Es war einfach herrlich. Christoph ist Neupilger und ich konnte ihm einige Dinge erzählen von meinen Caminos. Wir hatten generell direkt eine super Konversation. Es fand es spannend, von seinem Leben zu erfahren. Und so wie es auf dem Camino so ist, man erzählt einander Dinge aus seinem Leben, welche man teilweise nicht mal all seinen Freunden erzählen würde. Und diese Dinge bleiben auf dem Camino. 

Begegnungen, welche die Seele bereichern.. das gibt mir der Camino. Glück, Freiheit, Liebe. Diese und noch andere Emotionen empfinde ich beim Pilgern.

Danke Welt, dass ich dich kennenlernen darf..