Montag, 12. Juni 2017

Da bin ich nun in einem 20€ Bett in einem 1* Hostel in Ferrol. Heute bin ich wie geplant mit dem Bus an meinen Startpunkt gereist. Morgen geht's dann endlich los!! Doch den Tag hier in Ferrol habe ich genossen und war nötig.
Der Hafen von Ferrol
Der Hafen von Ferrol

Gegen 13:30 Uhr stand ich am Autobus Bahnhof in Ferrol. Es windete sehr stark und ich zog mir meine Jacke an. Sobald der Wind weg war, wurde es drückend heiss und ich zog sie wieder aus. Diesgingdann immer so weiter. Anziehen, ausziehen, anziehen, ausziehen. 
Kurze Zeit nach meiner Ankunft fand ich auch schon das von mir gebuchte Hostel. Von aussen sieht man das Hostel nur dank einer kleinen Tafel mit einem grossen H und dem Stern, welcher die Hotelklasse angibt. Ich klingelte und die Tür summte laut. In einem eiskalten Treppenhaus fand ich mich im zweiten Stock vor einem sehr aufgestellten mitte 40 Jahre alten Spanier wieder. In einem Tempo, das der Formel 1 nahe kam, erklärte er mir auf Spanisch, dass er eben nur diese Sprache könne, er mir aber alles erklären würde. Er bedankte sich für meine Buchung und schwärmte vom Camino Inglés. Er selbst habe ihn auch gemacht. Es sei für ihn der Schönste aller Caminos.

Er drückte mir das Wifi-Passwort und 3 Schlüssel in die Hand und führte mich zu einem kleinen Zimmer. Zweckmässig eingerichtet und für eine Pilgerin ein wahrer Luxus! Ich bekam erklärt, welcher Schlüssel für welche Tür zu benutzen ist. Mir war von Anfang an klar, dass ich vor jeder mit dem Schlüssel zu schliessenden oder öffnenden Tür stehen und mich dumm und dämlich probieren werde, bis der richtige Schlüssel gefunden wird. (So ist es nun auch)

Ich liess mir noch den Weg zur Touristeninformatipn erklären, bei welcher ich meine Informationen zum Camino Inglés bekommen würde. Denn bis anhin hatte ich keine Ahnung, wo der Weg genau durchführt und wo überhaupt der Start und die Herbergen zu finden sind.

Da dies nicht meine erste Pilgerreise in Spanen ist, war es auch keine Überraschung, als ich um 14:15 die Touristeninformation geschlossen vorfand. Siesta! Die Geschäfte haben normalerweise von ca 13:00 oder 14:00 bis etwa 17:00 geschlossen. Dafür sind sie dann bis in die Nacht betriebsam. Ich beschloss, Ferrol zu erkunden und fand auch schnell ans Meer. Es roch so guuut. Ich liebe den Duft vom Meer. Das Salzwasser riecht einfach so gut. Ich beschloss, etwas zu essen. Ich hatte bis dahin erst ein Gipfeli gegessen. Also bestellte ich mir eine Portion Pouletsticks mit Pommes und Mineral. Ich fühlte die Ruhe in mir und genoss es, weit weg von der Schweiz zu sein. Einfach weg sein. Die Hektik der Schweiz nicht erleben müssen. 

Ich habe nun 11 Tage voller Freude am Leben als Pilgerin, tolle Landschaften und spannende Begegnungen vor mir. Diese kann mir nach meiner Reise über den Camino Inglés niemand nehmen. 

Nach dem guten Essen mit bombastischer Mayonnaise (wirklich so!) zottelte ich zurück zur Touristeninformation, welche inzwischen geöffnet hatte. Mir wurde eine Karte mit dem Wegprofil abgegeben und erklärt, wo der Weg genau durchführt. Dass ich direkt am Start vom Camino Inglés gegessen hatte, war mir beim Pouletsticks essen nicht bewusst. Den ersten Stempel bekam ich auch schon in meinen Pilgerpass. Es gilt wieder folgendes: 2 Stempel pro Tag, um die Compostela in Santiago de Compostela zu bekommen. Ich hoffe, dass das kein Problem sein wird. Auch wenn es eher weniger Bars, Herbergen oder andere Orte, an denen man Stempel bekommt, gibt, als auf dem aktuell überloffenen Camino Frances. 

Die nette Frau an der Information gab mir noch den Tipp, dass ich keine Abkürzungen machen solle, denn der Weg habe so viele tolle Überraschungen zu bieten. Morgen soll es über 33 Grad werden. Ich beschloss, Sonnencreme zu organisieren. Und fand sie in einer kleinen Drogerie. Was mich jetzt schon ein wenig nervt: ich werde unglaublich braun werden, doch abgesehen von den Unterschenkeln, Armen und Gesicht wird alles andere weiss sein. Schön.. wirklich schön..

Was ich auch noch sagen muss: Spanien wird offenbar von Wifi regiert! Überall gibt es kostenloses Wifi. Auch an öffentlichen Plätzen. Das war mir nie so aufgefallen auf den letzten beiden Pilgerreisen in Spanien. Das liegt wohl aber daran, dass ich mein Smartphone nicht dabei hatte und mir diese Gedanken gar nicht machen musste. Ich geniesse diesen Luxus so richtig. 
Ich nehme mich aber ganz stark zurück mit Whatsapp. Vor allem in Gruppenchats nehme ich an keinen Gesprächen teilen, da ich mir das Camino-Feeling wirklich nicht nehmen lassen möchte. 

Nachdem ich um ca 19:00 bis 22:00 geschlafen hatte bekam ich von der Mutter vom Hostelinhaber eine Orange, einen Apfel und ein Fruchtjoghurt fürs Frühstück morgen. Sie wünschte mir einen Buen Camino und alles Gute. Ich mag das. Die Menschen sind so offen auf dem Camino. Helfen einem wo und wie sie können. Man muss aber auch offen für sie sein, denn man wird schnell umarmt oder auf die Backe geküsst von den älteren Frauen. Das passt nicht allen, denke ich. Ich persönlich finde das ok, wenn es nicht eine stinkende und sabernde, ungepflegte Frau ist. 

Jetzt, es ist inzwischen 23:40, begebe ich mich in die Traumwelt und freue mich auf meine ersten 29.7km. 

Wir lesen uns morgen,  Leute..