Ich schlief super! Es war zwar grenzwertig warm in dem kleinen Raum mit drei anderen Pilgern, aber das Schnarchen war erträglich. Um 07:30 standen der Australier und der Brite auf und verliessen mit ihren Rucksäcken den Raum. Ich schaute dann ungläubig um 08:49 auf mein Handy. Im anderen Stockbett lag auch noch der schlafende Alwyn (so wird er geschrieben). Ich weckte ihn und gemeinsam frühstückten wir. Der französische "Nachtpilger" gesellte sich dazu und wir mussten lachen. Denn wir waren mit 29 Jahren (Alwyn), 30 Jahren (Franzose) und meinen 32 Jahren die Jüngsten Pilger in der Herberge und schliefen am längsten. Die anderen waren längst auf dem Weg. Halb so wild.


Ich verliess als Letzte die Herberge. Es regnete. Gut eingepackt und motivationstechnisch auf top Niveau nahm ich die rund 22km unter meine Füsse. Ich pilgerte den mir bereits bekannten Weg über die Waldwege und durch kleine Dörfer. 


Es regnete und regnete und nach der Hälfte des Weges meldete sich mein Magen - Hunger. Doch weit und breit war keine Möglichkeit um sich zu verpflegen. Nicht einmal trockene Stellen waren zu finden um zumindest einen Farmer aus meinem Rucksack zu holen. Ich war inzwischen, abgesehen von meinem Rucksack und meinem Oberkörper völlig durchnässt. Die letzten 4.8 Kilometer nach Pamplona hatte ich vom letzten Mal noch in Erinnerung. Damals war es drückend heiss und meine Knieschmerzen erschwerten mir die Wanderung sehr. Die Strecke kam mir damals wir auch heute ewig vor. 


Ich kämpfte mich mit "pflotschnassen" Füssen und inzwischen leider auch mit Schmerzen in der rechten Leiste in die Altstadt von Pamplona. Bei der Touristeninformation angekommen wurde ich zu einer der beiden einzigen offenen Pilgerherbergen ZURÜCK geschickt. Ich humpelte also zurück und klingelte bei der Herberge. 


Die Herberge ist ein wahrer Luxus für Pilger. Eine eigene Koje mit Vorhang (Hallo Privatsphäre) und eigener Steckdose und Lampe. Suuuper! Ich vergass Zuhause leider meine Sporthose und hatte deswegen nur meine Laufhose und Thermohose. Also nichts Trockenes für die Beine. Kurzerhand trocknete ich mit meinem Reiseföhn nicht nur meine Laufhose, sondern auch meine Schuhe. Auch Alwyn war froh, meinen Reiseföhn benutzen zu können für seine Schuhe. 


Mit Alwyn und einem Argentinier namens Gaston (ihn trafen wir hier in der Herberge. Krankheitshalber pausierte er hier während drei Tagen und wird morgen weitergehen) kauften wir in einem kleinen Supermercado unser Abendessen. Mit Gaston spielte ich eine Runde Schach und verlor knapp. Es war schön, mit den beiden zu kochen, essen, plaudern und einfach das Beisammensein zu geniessen. 


Wenn da nur nicht meine schmerzende Leiste wäre. Ich humple leider immer mehr und der Schmerz wird statt schwächer immer stärker, je mehr ich rumlaufe. So beschloss ich, mich ins Bett zu legen und zu chillen. Meine Leiste habe ich nun eingecremt und halte sie still. Vielleicht tut mir eine Pause gut bevor ich weiter nach Puente la Reina gehe. Normalerweise darf man als Pilger nur eine Nacht in einer Herberge bleiben, doch hier ist es kein Problem. Ich schaue morgen, wie es mir geht. Unter keinen Umständen werde ich den Bus nehmen oder etwas forcieren und deswegen abbrechen. Ich pilgere nach Santiago! Das nimmt mir niemand. Ich habe Zeit bis zum 4. März. Dann möchte ich spätestens nach Hause fliegen. Aber alle Tage davor habe ich zur Verfügung. 


Inzwischen liegen wir alle drei in unseren Betten. Ich gönne mir nun etwas YouTube und dann schlafe ich morgen bis um 09:00, schaue, wie es meiner Leiste geht und entscheide dann, ob ich weiter pilgere oder erstmal pausiere. 


Erkenntnis des Tages:

Auch Goretex lässt irgendwann durch.

Ein gutes Frühstück in Zubiri.
Ein gutes Frühstück in Zubiri.
Regen Regen Regen......
Regen Regen Regen......