Ankommen, wenns dunkel wird

Die Etappe von Thun nach Rüeggisberg war nun die längste Etappe in der Schweiz. Ganze 31km lagen vor mir. Doch die Strecke war wunderschön. Zuerst konnte ich im Sonnenschein dem Thunersee entlang pilgern. Ich genoss die Ruhe am Morgen und kam ziemlich zügig voran. Der Waldabschnitt war wunderschön. Kurz vor Amsoldingen kam der Regen und ich beschloss, im Dorf in einem Restaurant mein wohlverdientes Zmittag zu essen. Und ich sag euch: auf Pilgerreisen esse ich jeweils wie ein Tier. Ich lasse selten bis niemals etwas übrig. Der Teller ist bis auf die Deko jedes Mal leer. 


Nach der etwa 45 Minütigen Pause stand ich draussen im Regen. Wie froh war ich über die neue Pellerine, welche ich in Stans gekauft hatte. Sie deckt nicht nur mich, sondern auch den Rucksack mit dazu. So bleibt auch sicher alles trocken. Ich sehe damit zwar wie ein Minnion aus, wie mir direkt nach einer Instastory mitgeteilt wurde, doch man findet mich dank dem Orange definitiv. Ich pilgerte weiter bis zum nächsten Dorf, wo ich dann komplett falsch lief und das erst nach etwa 5 Kilometern bemerkte. Ich wusste, ich habe einen strengen Zeitplan heute, da ich vor Einbruch der Dunkelheit in Rüeggisberg ankommen musste aufgrund der Sicherheit. Und so nahm ich den Bus wieder zurück. Ich marschierte dann ziemlich schnell weiter und meinen Gedanken liess ich absolute Freiheit. Ein neuer Abschnitt wird nun beginnen. Ich bleibe frei, doch das mit einem tollen Menschen an meiner Seite. Jetzt renne ich mal nicht mehr davon. Ich genoss dieses Gefühl von Entschlossenheit und Überzeugung, das Richtige zu tun. Es tat so gut, einfach zu laufen und meinem Weg zu folgen. 


Bald kam dann auch wieder die Sonne zum Vorschein. Schnee lag ebenfalls auf dieser Höhe. Er glitzerte und funkelte. Richtig Märchenhaft. Es war eindrücklich den Thunersee von oben zu sehen. Denn von da unten kam ich schliesslich ZU FUSS her. Strahlend und glücklich pilgerte ich in Richtung Etappenziel. Es wurde dunkel und ich wanderte relativ schnell durch den Wald und dann über ein offenes Feld nach Rüeggisberg. 


Es war stockdunkel, als ich in der Gaststätte Bären ankam. Doch der herzliche Empfang und die liebevoll eingerichtete Unterkunft machten mich direkt glücklich. Das Zimmer war ein absoluter Traum und ich genoss die warme Dusche. Die brauchte ich jetzt definitiv, denn ich spürte, dass ich mich erkältet hatte. Schlapp und müde machte ich mich jedoch parat. Denn meine Kollegin Sarah wollte mich abholen, um essen zu gehen. Ich freute mich sehr, denn die Etappe hatte mich wirklich gefordert und ich hatte das Bedürfnis den Nachmittag ohne Sprachnachrichten zu verbringen. So war ich auch wirklich alleine. 


Ich genoss den Abend mit Sarah und gemeinsam assen wir asiatisch. Und dann kam der Abschied von ihr. Sie würde die letzte Kollegin sein, welche ich sehe, bevor ich im März zurück komme. Es war ein komisches Gefühl, aber auch ein gutes. Am 31.12. werde ich über die Grenze laufen und den Jahreswechsel in Frankreich erleben oder verschlafen. Je nach dem. Doch in der Schweiz werde ich dann nicht sein. Die Entscheidung ist ebenfalls gefallen. 


Nun habe ich 3 Off-Tage vor mir. Ich pilgere nicht, sondern kuriere aus und gebe meinem Körper Erholung. Schliesslich habe ich noch einige Kilometer vor mir. Das bedeutet, es werden nun 3 Tage keine Einträge kommen. Den nächsten Eintrag werde ich am 30. Dezember 2017 hochladen. Denn dann werde ich wieder ein paar Kilometer nach Genf pilgern. Mit den ÖV bin ich heute nach Fribourg gekommen. Ich geniesse die Zeit mit Stadt angucken, lesen, schreiben und vor allem mit einem tollen Menschen, welcher für die heutige Nacht und den morgigen Tag bei mir sein wird. 


Morgen Abend gehts per Zug zu einer Militärkollegin nach Lausanne, wo ich eine Nacht schlafen, den nächsten Tag Lausanne erkunden und dann im Youth Hostel nächtigen werde. Am 30.12.17 fahre ich mit den ÖV zu meinem Ausgangspunkt für die Wanderung nach Genf. Und dann habt ihr ja wieder aktuelle News. 


Ich wünsche euch tolle 3 Tage und bis dann.


Erkenntnis des Tages:

Etwas wagen ist besser als davon rennen.