Der einzige Gast im Hotel

Ich schlief wie ein Stein letzte Nacht und wurde von Sarah heute Morgen mit einem tollen Frühstück überrascht. Auch ihr Mami setzte sich noch dazu. Nach dem Frühstück kam das erste Mal mein Reiseföhn zum Einsatz. Denn meine Schuhe waren noch feucht vom Vortag. Aus diesem Grund kaufte ich vor meiner Reise diesen praktischen und auch leichten Föhn, damit ich jeweils noch feuchte Schuhe und Kleider föhnen kann. Als ich meine trockenen Schuhe an den Füssen hatte, wurde ich von Sarah und ihrem Mami herzlich verabschiedet. 


Draussen war es zwar kalt, aber zum Glück micht mehr regnerisch. Im Dorfkern von Stans suchte ich verzweifelt nach dem richtigen Wegweiser. Denn es hatte gefühlt 2'000 Wanderwege die beschildert waren. Ich fand den Weg dann doch noch und kletterte steil den Hang hoch. Meine Güte war das anstrengend - aber geil! Denn ich spürte jeden Muskel meines Körpers. Es fühlte sich einfach super an. Beim ersten "Oben" angekommen, konnte ich die Aussicht auf die Umgebung geniessen. Dann pilgerte ich gemütlich geradeaus und topografisch flach in Richtung "Flutschweg". Anders kann ich den nicht beschreiben. Es war einfach nur Matsch und Dreck auf diesem weiteren steilen Weg nach "zweites Oben".


Unterwegs stiess ich immer wieder auf Tafeln, welche zum Nachdenken anregten. Essenzielle Fragen wurden einem gestellt und ich studierte dann irgendwann tatsächlich an diesen Fragen rum. Bald war ich in St. Jakob. Das Restaurant, das EINZIGE Restaurant, hat Betriebsferien. Egal, ich wusste, ich muss eh den Bus nehmen bis nach Sachseln, da ich nicht übers Flüeli Ranft laufen konnte wegen dem Schnee und so war es auch ok, dass ich keine Mahlzeit zu mir nehmen konnte. Ich besichtigte jedoch während der Wartezeit die St. Jakobskirche, in welcher es einige Pilgersachen gab. Ich schrieb ins Pilgerbuch und stempelte meinen Pilgerpass, setzte mich ein paar Minuten und stellte mich dann an die Bushaltestelle. 


Wohlig warm war es im Bus und ich wurde müde. Doch kurz vor dem Eindösen trafen wir in Sarnen ein, wo ich umsteigen musste, um dann nach Sachseln zu kommen. Am Bhf entdeckte ich dann eine Pizzeria und mein Hunger führte mich hinein. Die Pizza war so gross, dass sie sogar über den Tellerrand hing. Ich dachte mir nur, wie um Himmels Willen soll ich die denn jetzt bloss essen? Zu meinem Erstaunen ass ich die komplette Pizza ohne Pause und war nicht einmal vollgestopft, sondern lediglich gestärkt für die nächsten Kilometer. Doch das gehört auch zum Camino; Essen wie ein Tier - ein grosses Tier. 


Nach der riesen Pizza und der riesen Cola fuhr ich mit dem Zug nach Sachseln und von da aus pilgerte ich den schönen Jakobsweg dem See entlang nach Giswil. Ich genoss die Umgebung und das Gehen. Es tat so gut, einfach zu gehen. 


In Giswil angekommen, lief ich direkt auf meine bereits gebuchte Unterkunft zu. Am Eingang hing ein Zettel mit der Information, dass sie Betriebsferien hätten, ich jedoch trotzdem hier übernachten könne. Alles war hinterlegt. Ich war und bin beeindruckt. Es ist alles sehr sauber und schön eingerichtet. 


Da ich morgen kein Frühstück in der Unterkunft bekommen werde, kaufte ich mir 2 Joghurte und Brötchen im Coop nebenan. Auch Farmer, zwei Snickers und Getränke fanden den Weg ins Körbli. 


Nach einer Dusche liege ich nun im Bett und geniesse einfach das Zimmer. Ich werde nun endlich mein Buch anfangen zu lesen und danach schaue ich vielleicht noch einen Film auf Netflix. Ich werde es sehen. Klar ist: Auf dem Camino muss ich nie, ich darf aber. 


Bis morgen.


Erkenntnis des Tages:

Ab Pilgertag 2 isst man wie ein Muni.