Willkommen in der Meseta! Das war heute das Motto. Ich schlief unglaublich gut und verliess noch vor 09:00 mit einem super Frühstück gestärkt die Herberge. Kurz darauf befand ich mich bereits im Nirgendwo. Ich genoss das aber sehr, denn es war ruhig und ich hörte der Natur zu. Toll.


Nach etwa drei Kilometern hörte und beantwortete ich mal wieder ein paar Sprachnachrichten. Dies mache ich meist morgens. Nachmittags geniesse ich jeweils die Natur mit Musik und meinen eigenen Gedanken. 


Ich pilgerte bis nach Hornillos del Camino und hoffte, dort eine Bar zu finden, um etwas zu trinken und zu essen. Leider war ich erfolglos. 

Nach dem Dorf hiess es dann einfach mal 11 Kilometer über offene Felder ohne grosse Aussicht, denn es war neblig und die Luft feucht.


Ich wurde langsam ungeduldig und hungrig. Ich sehnte Hontanas so richtig herbei. Die letzten vier Kilometer schrie ich sogar einfach just for fun um mich und sang Mani Matter, um mich zu beschäftigen. Was werde ich bloss tun in drei Tagen?? Da werde ich dann eben das 18 Kilometer Stück ohne Einkehrmöglichkeit begehen. Geradeaus und keine Steigung, kein Links und kein Rechts. Ich werde dann wohl durchstarten mit meinem Schreigesang. 



Dann war ich endlich in Hontanas. Es tauchte in einem engen Tal plötzlich auf und ich fühlte mich erleichtert und glücklich, mein Tagesziel erreicht zu haben.


Die öffentliche Herberge hatte noch zu. Auf der Strasse fragte ich einen älteren Herr, ob hier im Dorf ein Shop oder eine Bar sei, um in der Wärme zu warten. Er schaute mich völlig irritiert an, denn im Winter sei alles zu. Er lud mich kurzerhand zu sich nach Hause ein. Seine Frau bereitete mir freudig einen Kaffee (ich betone erneut: ich trinke keinen Kaffee!) zu und eine halbe Stunde erzählten mir die beiden von ihren guten, aber auch schlechten Erfahrungen mit Pilgern. 

Die beiden gucken hier etwas zerknirscht, sind aber super nette Leute.
Die beiden gucken hier etwas zerknirscht, sind aber super nette Leute.

Der ältere Herr begleitete mich noch zur inzwischen offenen Herberge und ich bedankte mich noch etwa hundert Mal. 


In der Herberge war es eiskalt. Im Schlafraum gab es einen kleinen Ofen, welcher das ganze Zimmer mit 18 Betten einheizen sollte. Auf der Toilette gab es kein WC-Papier und die Hospitalera erklärte, dass auch kein Warmwasser sowie keine Verpflegungsmöglichkeit vorhanden sei. Ein inzwischen ebenfalls anwesender spanischer Pilger und ich schauten uns etwas ungläubig an. 


Während er jedoch bleiben wollte, packte ich geistesgegenwärtig meine Habseligkeiten und zottelte ohne jede Motivation ins knapp 10 Kilometer entfernte Castrojeriz. 

Kein Internet wäre ok gewesen, keine warme Dusche ebenfalls, keine Heizung auch - hatte ich alles schon. Doch kein Essen? Nein. Das war zu viel für mich. Ich hätte nicht mal heisses Wasser für eine Suppe gehabt. Ich wanderte so motivationslos wie noch nie nach Castrojeriz. Ich wusste jedoch, dass Jordon in diesem Dorf sein würde, was mich wieder etwas glücklicher stimmte.


Doch die letzten 5 Kilometer waren wirklich eine mentale Herausforderung. Ich nervte mich über alles und jeden. Wenn ich hungrig bin, dann ist meine Laune sowieso am Tiefpunkt aller Tiefpunkte. Dann noch seit morgens um 08:30, unaushaltbar. Ich nervte mich selber, lenkte mich mit Sprachnachrichten aufnehmen ab und kam dann endlich in Castrojeriz an. Wie ein gestrandeter Schiffsbrüchiger wanderte ich schlussendlich zu einer der beiden geöffneten Herbergen. 

In der Herberge stiess ich auf den erstaunten Jordon. Er schaute mich an, als würde ich gar nicht existieren dürfen und wäre eine Einbildung. Wir fielen uns in die Arme und ich erzählte ihm von meinem Tag. 


Sofort stellt er mir getrocknete Früchte hin und ich trank dazu eine Cola. Die Unterkunft ist super. Das Internet leider nicht. Aber glaubt mir, das ist egal. Die Dusche gleicht der eines 5 Sterne Hotels und der Schlafraum ist warm und gemütlich. 


Nach dem Pilgermenu begaben Jordon und ich uns auf die Suche nach einer Bar mit besserem Internet, um unsere Blogposts zu verfassen und online zu stellen. Zurück in der Herberge haben wir dann keins mehr. 


Was für ein Tag Leute. Statt den geplanten 20, pilgerte ich heute knapp 30 Kilometer. 


Erkenntnis des Tages:

Ohne Mampf kein Kampf!