Ich schlief katastrophal. Denn die Angst vor den Bissen der Bettwanzen liess mich in ein einem bis obenhin zugeknöpften Schlafsack schlafen. Es wurde irgendwann heiss und ich getraute mich nicht, den Schlafsack zu öffnen. 


Am Morgen dann das böse Erwachen: mich hatte tatsächlich eine Wanze gebissen. Ich glaubte am Abend zuvor noch an eine Übertreibung, doch die schreckliche Wahrheit brachte auch einen zerbissenen Hubin und einen empörten am Bein gebissenen Carles hervor. Carles und ich packten innert zehn Minuten unsere Sachen und stürzten förmlich aus der Herberge. 


Waren wir sonst immer die letzten am Morgen, flüchteten wir regelrecht aus der Unterkunft und direkt ins nächste Cafe um zu frühstücken. Auch Olivier stand irgendwann völlig fertig vor uns. Er wurde nicht gebissen, hatte jedoch eine unruhige Nacht, weil in seinem Zimmer eisige Kälte herrschte, da das Fenster nicht ganz zu ging.


Was für eine Nacht. Doch wir haben überlebt.


Der Tag von Ponferrada nach Camponaraya ist schnell erzählt. Er dauerte genau 9km. Also zumindest die Etappe. Eigentlich hatten wir geplant, im Cacabelos zu übernachten. Doch Carles rief mich irgendwann an und erzählte mir, dass die Herbergen alle geschlossen seien und wir entweder ein Hostel nehmen oder nach Villafranca del Bierzo weiter müssen. 


Ich war erst in Camponaraya und war so überhaupt nicht im Mood, weiterzulaufen als geplant. Also entschied ich mich gegen eine Verlängerung der heutigen, jedoch der morgigen Etappe. Und so quartierte ich mich in der Herberge La Medina ein. Es gab zwar keine Heizung, aber dafür genügend Wolldecken. Und die waren super flauschig. 

Die Hospitalera stellte mir zwar einen kleinen Radiator neben das Bett, doch dieser nützte leider nicht wirklich viel. Ich kuschelte mich nach der heissen Dusche in meinen Schlafsack. Plötzlich hörte ich eine mir bekannte Stimme unten. Es war Julien, der Franzose. Auch er blieb in dieser Herberge. Ich war froh, denn es gibt meiner Meinung nach nichts Schlimmeres, als in einem grossen Schlafsaal zu schlafen, der komplett leer und kalt ist. 


Julien und ich machten eine lange Siesta und gingen danach runter ins Restaurant, wo wir unser Abendessen geniessen konnten. Es war sehr lecker und wir wurden richtig verwöhnt. 


Es tat gut, den Abend mit Julien zu verbringen und wir redeten über seinen Job und seine Beweggründe den Camino zu gehen. Trotzdem vermisste ich Carles. Och hatte mich so an ihn gewöhnt und jeden Abend erzählten wir uns von unserem Tag und zeigten einander die geschossenen Fotos. 


Gegen 22:00 lagen wir dann in unseren Betten und als ich gerade schlafen wollte, bekam ich eine SMS von Carles, dass er morgen nach Ambasmestas gehen wird und er hoffe, mich dort zu sehen, denn es sei so langweilig ohne mich. Ich beschloss, 30km zu machen, um wieder auf Carles zu treffen.


Erkenntnis des Tages:

Den Caminobruder soll man nicht verlieren.