Was für ein unglaublicher Tag! Ich fühlte mich nach dem Aufstehen um einiges besser als gestern, spürte aber die Schwäche der Erkältung deutlich in meinen Knochen. Da ich nicht noch einen einsamen Tag in Pamplona verbringen und vor allen Dingen wieder pilgern wollte, packte ich meine sieben Sachen und zottelte nach dem Frühstück los. Das Wetter spielte super mit und so kam ich schon kurze Zeit später in Cizur Menor an. Der Aufstieg bis in dieses Dorf liess mich schwitzen und ich sah mich gezwungen meine Jacke auszuziehen und mit Thermowäsche und Fleecejacke weiter zu wandern.


Der Weg nach Zariquiegui hoch war mühsam, denn die Wege waren mit Wasser überflutet wegen dem geschmolzenen Schnee. Den Weg genoss ich trotzdem in vollen Zügen und beim Ortsausgang des besagten Dorfes kam plötzlich die Sonne raus und schien nur für mich zu strahlen. Ich bekam die mächtigen Windräder zu sehen und stieg über die engen und sehr nassen schnee-/matsch-bedeckten auf den Alto del Pedron. Viele Pilger erzählten mir von vernebelter Aussicht und ich stehe tatsächlich da und darf das Pilgerdenkmal in voller Pracht bestaunen. Toll! 


Plötzlich war sie da! Die Sonne strahlte mir entgegen.
Plötzlich war sie da! Die Sonne strahlte mir entgegen.
Das Pilgerdenkmal konnte ich ganz für mich allein geniessen.
Das Pilgerdenkmal konnte ich ganz für mich allein geniessen.

Um mich herum hatte ich eine unglaubliche Aussicht! Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Es war ein tolles Gefühl. Ich stand an einem Ort auf dem Camino Frances, wo sonst im Sommer Dutzende Pilger sind. Ich hingegen hatte das Denkmal für mich alleine. Es rührte mich so sehr, dass ich ganz aus dem Nichts anfing zu weinen. Eine unglaubliche Dankbarkeit kam in mir auf, gesunde Beine zu haben, welche mich die Welt zu Fuss erkunden lassen. Der Wind ermahnte mich, weiterzugehen. Es war eisig kalt und ich sah bereits den mit Matsch und Schnee "beschmückten" Weg nach unten.  

Der Abstieg war nicht streng, weil er steil war (fand ich nämlich nicht), sondern weil der geschmolzene Schnee Bäche entstehen liess und mit der Erde eine reine Rutschbahn bildete. Trotzdem kam ich gut nach unten und war froh, als ich dann wieder auf trockenen und schneefreien Wegen war. 

Ich spürte meinen Körper wieder sehr intensiv. Schüttelfrost und Gliederschmerzen meldeten sich wieder. Ich sagte zu mir: in die nächste offene Unterkunft gehe ich rein und bleibe über Nacht. Der Camino wirds schon wissen. 


Und prompt stand ich in Uterga vor der Herberge Casa Baztan. Ein netter junger Mann begrüsste mich und bemerkte wohl meinen körperlichen Zustand. Er zog sofort einen Barhocker zurecht und hastete davon. Nach wenigen Sekunden kam er zurück und stellte mir eine Schüssel Suppe vor den Kopf. Ich fühlte mich erhört vom Camino. 

Während er meinen Pilgerpass abstempelte und meine Daten aufschrieb, genoss ich die Suppe mit Gemüse, Poulet UND Fisch. Wer mich kennt, der weiss, ich mag keinen Fisch. Diese Suppe war aber der Traum schlechthin! Der Hospitalero erklärte mir, dass ich für gesamthaft 20€ ein Pilgermenu mit Wein und Wasser, ein Bett und ein Frühstück bekomme. Ich nickte freudig und er fing an zu strahlen. 

Der Schlafsaal mit gesamthaft 26 Betten ist zwar eiskalt (trotz Heizung), aber es gibt dicke Decken, wovon ich eine über meinen Schlafsack ziehen werde in der Nacht. Die Dusche tat so unglaublich gut und wieder erwies sich meine 9.90 Franken Investition in den Reiseföhn als super, denn ich konnte meine Haare föhnen. So erkältete ich mich nicht noch mehr. 

Ich legte meine etwas feuchten Kleider vom Tag auf die Heizung und kroch in meinen Schlafsack. 

(Die Isomatte ist nicht meine, überlege jedoch, sie mitzunehmen morgen)
(Die Isomatte ist nicht meine, überlege jedoch, sie mitzunehmen morgen)

Die grosse Überraschung kam dann am Abend. Der Hospitalero kam in den Schlafsaal und rief mich zum Essen. Was ich dann zu Gesicht bekam, freute meinen Gaumen. Ich stand mit weit aufgerissenen Augen da und bedankte mich gefühlt 2000 Mal für das toll hergerichtete Essen direkt am Cheminée. Der Hospitalero schenkte mir ein Glas Wein ein und wünschte mir einen guten Apetit. Also ich sag euch eines: der Camino hat mich heute belohnt. Für was auch immer. Aber das Essen war köstlich. Paella mit, Überraschung, Fisch. Daneben lagen knusprige Pommes und zwei Poulet Plätzli. Abgerundet wurde mein Festmahl mit einem frischen Salat. Ich fühlte mich wie eine Königin. Der Hospitalero freute sich, dass es mir schmeckte und wir kamen ins Gespräch. Er spricht leider nur Spanisch und ich kann inzwischen zwar Smalltalk führen, doch bedauerlicherweise keine tiefere Themen anschneiden. Trotzdem ging es irgendwie und wir tauschten uns über den Camino und die Pilger aus. Er zeigte mir ein Album in welchem er einige für ihn interessante Pilger fotografisch festhielt. Er fragte nun auch mich nach einem Bild. Ich stimmte zu und versuchte, nicht allzu krank auszusehen. 

Inzwischen liege ich mit Wärmesäckli in den Socken im Schlafsack. Morgen geht es nach Puente la Reina. Definitiv. Mein Körper braucht Schonung und darum werde ich ihn nicht überfordern. Schliesslich habe ich noch etwa 30 Pilgertage vor mir.


Ich wünsche euch eine gute Nacht und bis morgen! 


Erkenntnis des Tages:

Ich belege in der Schweiz einen Spanisch-Kurs!