Vergangene Nacht habe ich nicht allzu gut geschlafen, da ich einfach einen zu vollen Magen hatte. Ich drehte mich etwa 2 Stunden in meinem Schlafsack und fand eifach keinen Schlaf.


So dachte ich heute dann auch, dass ich erst gerade eingeschlafen bin als der Wecker von John vor sich hin klingelte. John war längst nicht mehr im Zimmer, sondern draussen bei der Morgentoilette. Etwa 5 Minuten hörten Carles, Jordan und ich dem tollen Wecker zu bis dann Carles aus dem Bett stieg und ihn ausstellte. 


Das Frühstück war tip top und schon bald waren wir alle auf zurück dem Weg. Ich pilgerte aus dem Dorf Los Arcos und war in eher nicht so guten Gedanken versunken. Ich suchte nach etwas, das mich von diesen wegbringen würde und dann staunte ich nicht schlecht. Über mir war ein riesiger Regenbogen. Ich heulte mal wieder los. Ich stand da und konnte es nicht glauben. Ein weiterer Camino Moment. Das brauchte ich. Das war das "etwas". Danke Camino.

Die Stimmung war mystisch. Die eine Seite war sonnig und die andere tiefblau, nicht schwarz. Ich pilgerte über die Felder und durch kahle Weinreben bis nach Sansol. Kurz vor besagtem Dorf kam der Regen und ich packte meinen Rucksack und mich ein. 

Nach Sansol stiess ich auf Jordan. Mit ihm kehrte ich in einem kleinen Cafe in Dorf ein und genoss ein Twix. Als wir so da sassen und plauderten, stellten wir mit Freude fest, dass die Sonne uns wieder beglückte. So verstauten wir unsere Regensachen wieder im Rucksack und zogen bald darauf gemeinsam weiter. Einige Kilometer wanderten wir gemeinsam über den Jakobsweg. Ein sehr spannendes und auch tiefgründiges Gespräch entstand zwischen uns. Es tat richtig gut, ihm von meinen morgendlichen schlechten Gedanken zu erzählen und er als Vater von zwei erwachsenen Töchtern konnte die richtigen Worte finden. Ich konnte nun auch diesen Stein auf einem Wegweiser liegen lassen.


Jordan an einem von vielen für Pilger Energie spendenden Orte.
Jordan an einem von vielen für Pilger Energie spendenden Orte.

Kurz nach dem wir einen ziemlichen Anstieg hinter uns gebracht hatten, standen wir vor ganz vielen Steinmännchen. Auch wir legten Steine auf die Türme und spendeten diesem Ort ein paar Gedanken. 


Jordan und ich pilgerten weiter bis zu einer Kapelle, bei welcher ich das Bedürfnis verspürte, eine Pause zu machen, um mein mitgebrachtes Mittagessen, bestehend aus Fleisch, Käse und Brot, zu essen. Er pilgerte weiter und ich setzte mich in die Sonne. Es war ein wunderbarer Ort um zu rasten. Eine halbe Stunde später machte auch ich mich wieder auf den Weg und wanderte über wunderschöne Pfade.

Mein Tattoo und ein Wegweiser
Mein Tattoo und ein Wegweiser

Ich genoss den Weg in vollen Zügen und traf nach einigen Kilometern wieder auf Jordan, welcher auf einen Steinthron sass. Die Steine sahen wirklich so aus. Er schaute mich an und meinte: "I'm feeling like a king now" und dann stand er auf und sagte: "I think, it's good to be a king!" Dann lachten wir beide und ich entgegnete: "Ok, but I'm the queen." Wieder lachten wir und pilgerten los. 


Nach etwa einem wortlosen Kilometer hielt er an und sagte dann: "ok, I'm the king of Navarre and you are the queen of Navarre!"

Ich stimmte ihm zu und wir pilgerten als neue Hohheiten Navarras nach Viana. Und plötzlich rief King Jordan aufgeregt hinter mir, ich müsse mich SOFORT umdrehen. Ich schaute zurück und erblickte einen wunderschönen Regenbogen. Jordan schoss mit seiner Hightech Kamera ein super Foto (werde ich posten, sobald ich es hochauflösend besitze). 

Der Regenbogen kurz vor Viana
Der Regenbogen kurz vor Viana

In Viana angekommen, trafen wir auf John und Carles, welche unsere Ankunft schon freudig erwarteten. Gemeinsam kochten und assen wir später. Seit Tagen sind wir zu viert und es wurde ein richtig gut eingespieltes Team aus uns. Die grosse Menge an 13 Pilgern, welche wir in Puente la Reina hatten, ist wahrscheinlich in Logroño. 


Uns stört das nicht. Im Gegenteil. Wir sind zufrieden und geniessen die letzten Tage zusammen als Quartett. Denn am Samstag wird der letzte gemeinsame Abend sein. Wir werden meinen Geburtstag noch feiern und dann werden John und Carles wohl weitere Distanzen machen als Jordan und ich. 


Ich, Carles, Jordan und John
Ich, Carles, Jordan und John

Doch so ist der Camino. Man trifft Menschen aus aller Welt, sie werden zu deinen Weggefährten und dann verlassen sie deinen Weg wieder. So ist es und so soll es sein. 


Morgen geht es nach Navarette. Ich freue mich auf morgen, denn ich mochte den kleinen See nach Logroño schon 2016. Auf den freue ich mich. 


Erkenntnis des Tages:

Der Regenbogen kann auch eine Antwort auf eine Frage sein.