Bei minus 5°C verliess ich die Herberge in Foncebadón. Es war eisig kalt und eine Biese zog. Der kurze Weg zum Cruz de Ferro gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn auch der Boden war an einigen Stellen mit Eis bedeckt. 


Ich packte mich warm ein und dank meiner Dauenjacke fror ich kein bisschen. Einzig mein Gesicht spürte ich oberhalb der Nase kaum mehr. Trotzdem hielt ich kurz beim Cruz de Ferro inne und pilgerte dann, ohne mich umzudrehen, weiter.

Der Abstieg nach El Acebo war steil und rutschig. Und vor allem: Schnee, Schnee, Schnee! Wenn der Wind nicht gewesen wäre, dann wäre es richtig idyllisch gewesen. Doch dieser blies um meine Ohren und ich war überglücklich, als ich bei Tomaso in Manjarin eine Tasse heissen Tee trinken konnte.

Kurz vor El Acebo traf ich auf Olivier. Auch er hatte seine Mühe mit dem Schnee. Wir liefen während einigen hundert Metern dann zusammen nach El Acebo, wo wir dann Stefan, den Deutschen, trafen. Gemeinsam kehrten wir in einer Bar ein, um etwas zu essen und zu trinken. Es entstand eine tolle Unterhaltung und ich erfuhr erneut Dinge über Olivier. Ich bin froh, dass ich mit ihm nun den Kontakt aufgebaut habe. Er ist ein wirklich interessanter Zeitgenosse. Danke Camino. Da muss man nach Spanien reisen, um einen wirklichen tollen Schweizer zu treffen, mit diesem durch den Schnee zu stapfen, um dann tiefgründige Gespräche über Dinge zu führen, welche man im eigenen Land bestimmt niemals anschneiden würde nach 3 Tagen kennen. Doch das ist das Spannende am Camino.

Nach einer Stärkung kam der steile Abstieg nach Molinaseca. Es hatte zum Glück keinen Schnee mehr und es war einfacher über die Felsen zu kommen. In Molinaseca stiess ich erneut auf Olivier und wir genossen zusammen ein warmes Getränk in einer Bar. Danach machte ich mich aber endgültig auf den Weg nach Ponferrada. Ich wollte nicht mehr allzu viel Zeit verlieren, denn es war schon nach 16:30 und das Wetter schien wieder schlechter zu werden. Bevor ich Ponferrada erreichte, folgte ich dummerweise den "falschen" Pfeilen und machte einen 3km Umweg nach Campo. Zuerst sah es positiv, doch nach einiger Zeit nervte ich mich so stark, dass ich kaum noch geniessen konnte und ich fing an, mich zu beeilen. Inzwischen war es nach 17:00 und der stille Carles, er hat heute seinen Silent Day, schrieb eine SMS und erkundigte sich nach meinem Verbleib. In der Herberge endlich angekommen, gab mir Carles über Zeichen und körperlichem Ausdruckstanz zu verstehen, dass eine Pilgerin Bettwanzen gefunden hätte und wir vorsichtig sein müssen.

Wir beschlossen nun, morgen in eine andere Herberge zu gehen, also nicht nach Villafranca del Bierzo. Wir sagten uns: die Nacht heute werden wir überstehen, doch dafür gönnen wir uns morgen eine private Herberge in Cacabelos. Das bedeutet jedoch auch, dass wir uns schon heute von den meisten verabschieden werden. Denn fast alle laufen morgen nach Villafranca del Bierzo und dann nach O Cebreio am nächsten Tag. Carles und ich nehmen es gemütlicher und laufen zuerst nach Cacbelos, dann nach Ambasamestas und erst dann hoch nach O Cebreiro. Doch es ist ok so für uns. Hauptsache wir zwei bleiben zusammen. Wir sind inzwischen ein richtig gutes Team. Seit 4 Wochen schon. Mit einer kurzen Unterbrechung zwar, aber trotzdem. Verbindung bleibt Verbindung.

Bald stellt das Internet ab. Um 21:30 nämlich. Deshalb verschob ich das Duschen auf später und schreibe nun den Blogpost zuerst. Morgen nehmen wir es seeehr gemütlich. 15km sind easy zu packen und wir freuen uns auf die Ruhe in der Herberge am Abend. Und ich freue mich vor allem auf den sprechenden Carles. Er sitzt mir zwar gegenüber, doch fehlen tut er mir trotzdem. Ich vermisse den abendlichen Austausch mit ihm und auch Rumblödeln ist schwierig so.

Alejandro, der eine Spanier, hat das selbe Problem. Auch sein Camino Partner hat heute seinen Silent Day. Es war lustig, wie wir versuchten unsere Partner zu verstehen, welche mit Ausdruckstanz eine Unterhaltung zu führen probierten. Alle um uns haben sich köstlich amüsiert.

Erkenntnis des Tages:
Den Bettwanzen kann man leider nicht immer ausweichen.