Ich schlief wie ein Engel. Es war eine super Nacht. Drei Wolldecken hielten mich unter und über meinem Schlafsack warm. Ich wollte das Bett gar nicht mehr verlassen. Doch es warteten 30km auf mich und ich bin eine Pilgerin, welche es geniesst, ein bis zweimal eine Pause in einer Bar zu machen. Also wusste ich, dass ich mir genügend Zeit einplanen musste.


Nachdem ich mit Julien gefrühstückt hatte, liefen wir zeitlich versetzt los und ich kam sehr gut voran. Mein Ziel war, mindestens 5km zu schaffen in einer Stunde. Das klappte ganz gut und nach etwa zweieinhalb Stunden und einer Cola in Cacabelos kam ich in Villafranca del Bierzo an. Ich beschloss, eine Kleinigkeit zu essen und setzte mich in eine Bar. Schon bald sah ich draussen Julien die Speisekarte studieren und ich winkte ihm zu. Er kam dann auch rein und gemeinsam assen wir etwas zu Mittag. 





Dann startete der Teil, welchen ich am wenigsten mag auf dem Camino Frances. Alles der Hauptstrasse entlang und total langweilig. Auch hier ist mir bewusst, dass es den Camino Duro geben würde. Doch da ich ohnehin schon 30km zu meistern hatte, wollte ich mir diese nicht noch schwerer machen. 


Also pilgerte ich Sprachnachrichten aufnehmend über den Camino. Ich kam jedoch relativ schnell voran und stand schon bald in Trabadelo, wo auch wieder Julien vor einer Bar sass. Er klagte über Schmerzen im rechten Schinbein und meinte dann, dass es wohl besser wäre, wenn er hier in Trabadelo übernachten würde. Da er nichts dabei hatte um auf sein Bein zu schmieren, schenkte ich ihm die eine Tube Voltaren Salbe. Er bedankte sich etwa 20 Mal bevor ich dann weiterzog. 



Dann ging es nach einem kurzen Teil in der Natur wieder der Strasse entlang. Irgendwann stand ich dann wieder vor der Autoraststätte. Dort wo ich schon im letzten Jahr vorbei kam und lachen musste. Mitten auf de Camino an einer Raststätte vorbeipilgern. Auch nicht alltäglich. 


Im Dorf vor Ambasmestas konnte ich lesen, dass ich inzwischen nur no 190km bis Santiago vor mir hatte. Ein tolles Gefühl. 

Und dann war es endlich so weit. In der Herberge zerdrückte mich Carles beinahe vor Freude mich wiederzusehen. Auch Sabine und Ulli, das Hospitalero-Paar, nahmen mich herzlich in Empfang und stellten mir eine Tasse Tee vor die Nase. 


Die Herberge ist ein wahrer Traum. Einzelbetten in einem Dachraum. Es ist geheizt und alles sauber. Eine richtige Wohlfühloase. Ich wurde von einem Pilgerbekannten aus einem Forum darum gebeten, die beiden zu umarmen. Ich tat dies natürlich und sie freuten sich dermassen über die Geste, welche Martin aus dem Forum ihnen über mich zukommen liess, dass beinahe Tränen flossen. 

Nach einer wohltuenden Dusche rief Sabine zu Tisch. Das Menu war super lecker und wir waren alle satt und glücklich. Es entstand bei einigen Gläsern Wein eine tolle Stimmung und wisst ihr was? In meinem Raum schlafen nun mit mir drei Schweizer und der einzige "Ausländer" im Kreise Carles. Denn kurz vor dem Abendessen traf noch Urs, ein Deutschschweizer, in der Herberge ein. Olivier und ich freuten uns sehr und die beiden Chileninnen waren total überrascht, dass wir nicht alle drei die selbe Sprache sprachen. Auch dass Deutsch und Schweizerdeutsch nicht die selben Sprachen sind und wir zwar Schweizerdeutsch reden, aber in der Schule Deutsch lesen und schreiben lernen, war eine Überraschung für sie. Ich lernte jedoch, dass man in Chile nicht das selbe Spanisch redet wie zum Beispiel in Madrid. 


Irgendwann hatte ich so ein Durcheinander, dass ich Carles plötzlich auf französisch ansprach und Olivier auf Englisch etwas fragen wollte. 

Es war ein wirklich toller Abend und seit bald zwei Stunden liegen wir nun in unseren Betten. Morgen klingelt der Wecker um 08:30, denn wir wollen "nur" auf den 14km entfernten O Cebreiro "klettern".


Ulli zeigte uns Fotos vom Berg, welche er heute gemacht hatte. Es liegt 40cm Schnee und ein Hochkommen über den Camino ist ab La Faba nicht zu empfehlen. Er riet uns, die Strasse zu nehmen, die sei frei. 


Wir werden irgendwie ankommen, mal schauen wie. 


Erkenntnis des Tages:

Strassenpilgern macht keinen Spass.