Dani, der Schweizer Hospitalero zauberte uns ein sagenhaftes Frühstück auf den Tisch. Heute Morgen zeigte das Thermometer -3°C an, als wir die Herberge verliessen. Jordon und ich pilgerten gemeinsam los und freuten uns über die den Frost, welcher die Felder funkeln liess. Auch die Pfützen auf dem Weg waren gefroren und ich tappte jede mit dem Fuss kaputt. Nur langsam kamen wir vorwärts deswegen. Es hatte halt doch einige dieser Eispfützen.


Irgendwann löste ich mich dann von Jordon und wanderte schnellen Schrittes weiter. Die heutige Etappe war kurz aber unglaublich toll. Ich pilgerte zwar meist der Strasse entlang, doch die Dörfchen, welche och durchquerte, gefielen mir sehr. 

Zielsicher lief ich dann einfach bei einem nach links führenden Pfeil geradeaus. Wieso auch immer. Ich wollte unterbewusst wohl 400 Meter mehr laufen heute. Ich bemerkte es dann bald, weil keine Pfeile mehr da waren und drehte wieder um. Jordon war inzwischen wieder gleich auf und lachte laut. 


In einer Bar tranken wir einen Tee und reservierten bei Privatleuten ein Zimmer für zwei Personen. Was für ein Glück, wie wir später herausfinden würden.

Es war sonnig und sehr angenehm. Ich konnte irgendwann die Jacke ausziehen und sogar die Sonnenbrille aufsetzen. Es war einfach herrlich. Die Felder waren weit und die Wege abwechslungsreich. Im Gegensatz zu gestern sowieso.

In Moratilos angekommen, setzte ich mich auf den Hügel mitten im Dorf und hatte eine herrliche Aussicht. Ich fühlte mich wie eine Königin. Da konnte Jordon mit seinem Thron vor ein paar Tagen in Viana einpacken. 


Ich konnte ihn schon bald entdecken und winkte ihm zu. Er staunte nicht schlecht und war schon ein bisschen neidisch. 

Ich lief zu ihm runter und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu Patrick, ein Engländer, welcher mit seiner Frau ab und zu im Winter Pilger aufnimmt. 


Wir klingelten und ein älterer Herr, Patrick, öffnete uns die Tür. Hinter ihm stand ein mir bekannter Mann. Oliver! Ich guckte ihn überrascht an und freute mich. Auch er schien sich an mich zu erinnern und strahlte los. Ihn traf ich vor bald einem Jahr ebenfalls auf dem Camino Frances, aber in Rabanal del Camino in der öffentlichen Herberge. Dort war er ebenfalls Hospitalero. Sofort fragte er nach meinem Befinden und wollte dann noch wissen, wie es letztes Jahr noch lief bis Santiago. Was für eine Freude. 


Er kochte für uns alle ein einfaches aber leckeres Mittagessen. Couscous mit roten Bohnen und Spiegelei. Ich war im Himmel. Wirklich sehr gut!


Das Zimmer von Jordon und mir ist ebenfalls ein Traum. Ein Holzofen wärmt das Zimmer und macht es gemütlich. Was für ein toller Ort. Pilgerluxus war dann nach der Ausgiebigen Siesta und Dusche auch das Abendessen. Ausser den Oliven mochte ich das Pastagericht sehr. Leicht pikant und frisch zubereitet. 


Ich kuschelte nach dem Essen noch mit der Hauskatze "Gian Marco" (ja, die heisst echt so) und mit Patrick und Oliver plauderten wir noch über den Camino. Auch hier war wieder das Thema, dass es offensichtlich wäre, dass ich auf den Camino gehöre. Dieses Strahlen und diese Liebe zum Pilgern hätte ich schon im letzten Jahr gehabt. 


Ich muss da wirklich drüber nachdenken. Zurück kommen für eine längere Zeit werde ich bestimmt. In ein paar Jahren vielleicht. Jetzt ist aber Santiago das Nah- und meine Heimreise am 15. Februar 2018 das Fernziel.


Klar ist, der Camino wird mich nicht los. Da sind noch einige Wege zu gehen. Schliesslich muss ich noch den Weg komplettieren (Fribourg - Saint Jean Pied de Port), um dann wirklich den gesamten Weg von mir Zuhause nach Santiago begangen zu haben.


Erkenntnis des Tages:

Ich esse auf dem Camino eigentlich alles - aber keine Oliven!