Die heutige Etappe war 26km lang und hatte es wieder einmal in sich. Denn ich ging nach einem kleinen Frühstück davon aus, im 8km entfernten Dörfchen eine Einkehrmöglichkeit zu finden, um eine Kleinigkeit essen zu können. Doch leider fand ich direkt am Weg nichts. Später erfuhr ich von Jordon, dass es einen Platz gegeben hätte, wo es eine Bar hatte.


Ich lief dann ohne weitere Verpflegung direkt weiter ins 12km entfernte Religeos. Ich genoss den Weg trotz des Hungers. Die Sonne schien immer stärker vom Himmel und es wurde richtig warm. Die Strecke war eher nicht so Meins. Die Meseta ist wirklich nicht meine bevorzugte Region. Dieses Nichts, Geradeaus und die flache Topographie geht mir langsam etwas auf die Nerven. Deswegen war mein Schritt inzwischen schneller. 


Innert kurzer Zeit stand ich dann in Religeos bei einer Bar und bestellte mir eine Canelloni aus de Gefrierfach. Es war mir egal, der Hunger war stärker. Nachdem ich gegessen hatte und ich mich bereits auf die letzten 6km des Weges machen wollte, lief Carles ebenfalls ins Dorf. Er wunderte sich über mein hohes Tempo, denn normalerweise geniesse ich den Weg ganz bewusst und nehme es eher gemütlich. Der Hunger trieb mich jedoch durch die Gegend.

Pilgerbaum
Pilgerbaum

Es wurde immer wärmer und bald war das Thermometer bei 15°C - im Januar! Ich zog alle überflüssigen Dinge aus und hängte es wie üblich irgendwo an mir an. Ich mache das täglich. Den Rucksack öffne ich jeweils erst am Abend. Deswegen hänge ich alles irgendwo hin. Das ist praktisch. Egal wie, alles muss irgendwie ans Etappenziel kommen.

Ich kam schnell voran nach der Stärkung und lief schon nach kurzer Zeit in Mansilla de las Mulas ein. Die Herberge, in die Jordon unbedingt rein wollte, hatte leider zu und ich ging zur nächsten. Dort wurde ich freundlich empfangen und ergatterte ein Bett direkt bei einer Steckdose. Super. Dann konnte ich mal wieder alles aufladen. Powerbank, Handy und Kamera-Akku. 


Nach etwa einer Stunde kam Carles und eine weitere Stunde später war auch Jordon hier. Zu unserer Überraschung stand dann auch noch Polina plötzlich vor uns, obwohl sie eigentlich nicht so weit laufen wollte. Gemeinsam gingen wir einkaufen und ich wollte Älplermagronen machen. Leider war die Hälfte der Zutaten nicht auffindbar oder in einem zu grossen Pack. Wir entschieden uns dann für Pasta mit Tomatensauce für alle. Jordon steuerte noch einen guten Wein bei und kochten anschliessend in der Herberge. Es war toll, gemeinsam zu essen. Und wieder: vier Nationalitäten, vier Sprachen, vier Menschen, doch alle an einem Tisch. Glücklich und satt. Einfach schön. 


In dieser Herberge sind inzwischen einige Pilger. Gesamthaft schlafen hier nun 9 Pilger. Morgen gehts nach Leon. Ich hatte vor, dort zwei Nächte zu bleiben, doch mir geht es so super und ich bin total fit und liebe es so, zu pilgern, dass ich keine Pause machen werde, doch ich habe für 24€ ein Zimmer in einer kleinen Pension gebucht, um wenigstens einen kleinen Luxus zu haben für eine Nacht. Den habe ich bis Santiago dann nicht mehr. Dann gibt es nur Herbergen für mich. Und auf die Herberge in zwei Tagen freue ich mich riesig. Ich kenne ab Leon ja den Weg wieder, da ich ihn schon gegangen bin ab da. Und so auch einige Herbergen. Die in San Martin del Camino war im letzten Jahr ein Zufall, dieses Jahr gehe ich gezielt da hin. 


Ich schlafe heute früh ein. Ich bin vollgestopft vom Essen und müde vom heutigen Tag. 


Erkenntnis des Tages:

Ich bin auch ein Baum.