Links Wein / Rechts Wasser
Links Wein / Rechts Wasser

Auch heute war wieder ein sehr ereignisreicher Tag. Meine Motivation heute Morgen war unauffindbar und ich trödelte vor mich hin. Gegen 09:30 brach ich dann endlich auf. Es war eine Eiseskälte. Um mich aufzuwärmen beschloss ich, im nächsten Cafe einen Tee zu trinken. Das nächste Cafe kam bereits nach noch nicht mal einem Kilometer. Super! 

Nach dem seeehr langen Teegenuss begab ich mich dann wirklich auf den Weg. Wenig später stand ich mitten in den Weinreben und konnte auswählen zwischen einem Schluck Wein oder einem Schluck Wasser. Ich entschied mich, gar nichts davon zu trinken. Also hallo? Morgens trinke ich definitiv keinen Wein und erst recht nicht in dieser Kälte. 

Stattdessen besuchte ich das Weinmuseum. Das war wirklich spannend. Ich war erstaunt darüber, was alles hinter einer einzigen Flasche Wein steckt. 


Einige gefüllte Wissenslücken später wanderte ich weiter und hörte mir seit Tagen mal wieder ein paar Sprachnachrichten an und beantwortete sie. Meine Motivation wollte einfach nicht auftauchen. Egal was ich tat, ich hatte das Gefühl, so langsam wie noch nie unterwegs zu sein und vor allem: wieso tue ich mir das Ganze eigentlich an?! 

Das geschieht mindestens ein Mal pro Camino. Dass ich mir diese Frage stelle. Doch trotzdem laufe ich weiter. Jedes Mal. Und doch dauert diese Phase der Demotivation mindestens 10 Kilometer. 

Dann fragte ich den Camino einfach mal direkt: wieso tue ich das??

Und es kam ein Camino-Moment: die Sonne guckte zwischen den Wolken raus und strahlte mich an. Ich blieb stehen und musste lachen. Na toll.. jetzt ist aber gut.. Es macht mir langsam Angst. 


Doch irgendwie fing in mir die Motivation an zu leben. Alles ging plötzlich viel leichter und als wäre die Sonne nicht schon toll genug, kam mir ein Pilger entgegen. Ich sprach ihn auf Spanisch an und fragte, woher er laufe. Er gab mir "Santiago" zur Antwort. Ich wollte seine Herkunft wissen. Astralien. Er erkundigte sich nach meiner. Switzerland. Und er: "Ja guet, denn chömer Schwitzerdütsch rede!" (Zu deutsch: Gut, dann können wir Schweizerdeutsch sprechen)

Ich musste lachen. Er erklärte mir, dass sein Vater Australier und seine Mutter Schweizerin (Basel) sei. Ich freute mich sehr über dieses Aufeinandertreffen und der Rest des Weges war ein wahrer Genuss. Ich flog förmlich über die letzten Kilometer. Hallo Motivation! Einfach toll. 

Der Schweizer mitten im Nirgendwo
Der Schweizer mitten im Nirgendwo

Nach diesem tollen Erlebnis kam ich glücklich aber auch ziemlich erschöpft von der Wärme in Los Arcos an. Ich traf auf John, welcher mir den Weg zur Herberge erklärte. Dort waren auch schon Carles und Jordan, ein Kanadier. Gemeinsam assen wir am Abend das Menu in einem Restaurant im Dorf. Es war wie immer ein tolles und sehr bereicherndes Beisammensein. 


Inzwischen liege ich im Bett und freue mich auf den Videoanruf meiner Freundin Ramona. 


Erkenntnis des Tages:

Motivation kann man beim Camino bestellen.