Ist ja gleich um die Ecke

Geplant war, dass ich um 13:00 los laufe. Um 13:35 ging es dann zwar erst los, doch es war ein herrlicher Tag um zu starten. Die ersten Kilometer pilgerte ich vom meinem Zuhause aus nach Arth-Goldau. Das Ziel heute war die Pilgerherberge im Kloster Maria Theresia in Ingenbohl SZ. Denn dort führt der Schweizer Jakobsweg vorbei. Die 14.9 Kilometer bis da hin waren leicht zu meistern. Nachdem ich am Bhf Goldau ein Wasser und ein mega süsses Evian Beerengetränk gekauft hatte, wanderte ich motiviert durch den schönen Wald bis nach Lauerz. Es war ruhig und angenehm von der Temperatur her. Ich begegnete einzelnen spazierenden Menschen, welche mich erstaunt anschauten, da ich ja doch eher anders aussah als ein Durchschnittsspaziergänger auf diesen Waldwegen. 


In Lauerz angekommen fing ich an, noch nicht angehörte Sprachnachrichten von Freunden und Bekannten abzuhören. Das war eine gute Idee, denn der Weg führte mich nach Lauerz zwar entlang dem Lauerzersee, doch auch der Strasse nach Seewen SZ. Als ich bereits anfing, mich über die Strasse zu nerven, fuhr ein Fahrradfahrer an mir vorbei und bremste sofort. Freudig hob er seine Arme unf begrüsste mich. Dann erkannte ich ihn. Der Sohn von Freunden meiner Eltern. Als Kinder haben unsere und seine Familie stets zusammen Ferien gemacht. Mal Hausbootferien, sogar ins Disneyland und nach Korsika oder auch einfach in die Berge. 

Mit einer grossen Umarmung begrüssten wir uns, wechselten ein paar Worte und ich erklärte ihm meine Pilgerpläne, worauf er mit "so geil!" antwortete und mir alles Gute wünschte, bevor ich meinen Weg fortsetzte. 


Nach Beantworten einiger Sprachnachrichten kam ich dann in Seewen an und fand mich im Industriegebiet wieder. Und auch hier hatte ich bald mal keine Lust mehr auf Industriegebiete und schon hielt ein Auto neben mir. Es sass ein ehemaliger Rekrut drin und staunte nicht schlecht, als ich ihm sagte, dass ich nach Spanien laufe. Auch er wünschte mir gutes Gelingen und eine gute Zeit und fuhr weiter. Keine 300 Meter weiter rief mir eine mir bekannte Stimme zu. Es war ein guter Bekannter, Bruno, welcher im Fitnesstraing meine Instastory gesehen hatte und anhand der Umgebung erkannte, wo ich ungefähr sein musste. 


Nach einem kurzen Geplauder lief ich weiter meinem Ziel entgegen und erreichte dann schlussendlich kurz nach 16:30 die Pilgerherberge im Kloster Maria Theresia. Dort erwartete mich bereits Sr Doris, bei welcher ich mich angemeldet hatte vor einer Woche. Mit grosser Freude schloss mich auch Sr Philipp in die Arme, welche mich noch aus meiner Mittelschulzeiten kennt. Ich besuche sie noch heute regelmässig. 


Ich bezog mein Zimmer und plauderte mit Sr Philipp dann im Aufenthaltsraum wortwörtlich über Gott und die Welt. Ich erzählte ihr, dass ich meinen Glauben an Gott vor kurzem ein wenig in Frage gestellt hätte und ich deswegen auch das Kreuz um meinen Hals ausgezogen hätte. Ihre Worte überraschten mich, denn sie waren voller Verständnis und positiven Gedanken. Es tat mir gut. Ich trage übrigens das Kreuz wieder um meinen Hals seit ich auf dem Weg bin. 


Ich verabschiedete mich von Sr Philipp und ging unter die Dusche. Denn schon bald fand das Pouletflügeli-Essen mit meiner Familie statt. Sie holten mich um kurz nach 18:00 ab und gemeinsam genossen wir den Abend. Es hat sehr gut getan, vor allem meine Eltern nochmal wieder zu sehen, von ihnen umarmt zu werden und viele gute Wünsche für meinen weiten Weg zu bekommen.


Zurück in der Herberge setzte ich mich in den leeren Aufenthaltsraum und schrieb ins Gästebuch. Die allerletzte Seite durfte ich füllen. Und wahrscheinlich bin ich auch die letzte Pilgerin dieses Jahr hier. Ich blätterte durch die ganzen Pilgerbüchlein und störberte durchs Bücherregal. Ich fand uralte Pilgerführer welche sogar handgemalte Karten beinhalten. Sehr eindrücklich.


Nun liege ich im Bett und freue mich zwar auf die morgige Etappe, jedoch nicht aufs Wetter. Denn es soll regnen. Das tut es bereits draussen. Aber wie es in der Armee ja so schön heisst: es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung. Hat auch kürzlich ein Freund gesagt ;-) 


Ich wünsche euch eine gute Nacht und bis morgen.


Erkenntnis des Tages:

Jeder Weg beginnt mit einem Schritt.